Die ist Privat | Einblicke ins Krankenhaus
Montag, August 11, 2008
Jeder der z.B. im Krankenhaus arbeitet, kennt mittlerweile den Spruch „der/die ist Privat“. Tja lieber Patient an der Krankenhaustür endet deine Identität. Jetzt bist du nur noch eine Nummer, Kasse oder privat, evtl. ein Nachname auf einem Belegungsplan. Aber du hast Glück, denn du bist privat, hast dir dein Recht auf bessere Behandlung durch hohe Kassenbeiträge erkauft. Wenn du jetzt ganz alleine in deinem Einzelzimmer liegst, stundenlang auf den dir zustehenden Chefarzt wartest, kommt evtl. der Moment an dem du dir wünscht du wärst nicht privat.
Es kommt der Augenblick an dem dir die Decke vor Langeweile auf den Kopf fällt. Durch die Wände hörst du die Gespräche der Kassenpatienten, du darfst nicht mitreden, denke dran du bist privat! Aber du hast ja Ablenkung, denn dir steht ja eine Tageszeitung zu, welche dir die liebenswerte Schwester gerne bringt.
Und dann ist der Augenblick gekommen, die Türklinke bewegt sich und da steht er dein Physiotherapeut. Du denkst sicherlich, die schicken nur die besten Fachkräfte zu dir! Irre dich da mal nicht, den dem Physiotherapieschüler hat man lediglich gesagt, du seiest privat. Natürlich wird er deinen Körper anders behandeln als all die anderen. Er bewegt deine Gelenke durch, dehnt dich und kräftigt dich, lächelt freundlich und denkt immer ehrfurchtig daran „der ist privat“ Für ihn ist es schwer zu verstehen, was er an dir anders behandeln soll. Du bist kein anderer Mensch, auch dein Körper ist gleich und du hast die gleichen Leiden.
Auch wenn die Ärzte um dich herumschmeicheln, wie die Bären um den Honig bist du in deren Augen nur ein Patient der mehr zahlt!
Der Text entstand durch ein Gespräch mit einem „Privaten“ dem die Decke auf dem Kopf viel!
Entry Filed under: Allgemein. Schlagworte: alles Patienten, der Private, Krankenhaus.
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1.
équilibriste | Montag, August 11, 2008 at 14:46
Zum Glück kann der Privatpatient aber auch sagen, dass er weder ein Einzelzimmer noch den Chefarzt haben will…
Und wenn der Physiotherapeut mal selbständig ist, freut er sich sicher auch über den Privaten, auf dessen Rezept nicht nur sechs sondern 15 Behandlungen stehen?
nicole
2.
bendowa | Montag, August 11, 2008 at 18:04
Es geht ja nicht darum , dass der Therapeut den Patienten nicht haben will, sondern darum, dass der Therapeut den Patienten trotz der Aussage „der ist privat“ sicherlich nicht anders behandelt als andere!
Als Selbständiger Therapeut sind natürlich private Patienten gern willkommen. Das ändert aber nichts an der Behandlung, Kreuzbandruptur bleibt Kreuzbandruptur.
Thomas
3.
équilibriste | Montag, August 11, 2008 at 19:30
Hab ich auch nicht so verstanden…
Glaubst du, dass Privatpatienten grundsätzlich erwarten, dass sie – wie auch immer – „besser“ behandelt werden? (s. mein erster Satz oben)
Und wenn’s mich mit Eis auf’m Knie friert und ich Eisfüße hab, dann packt mir mein Therapeut so ein Fango-Dings auf die Füße und eins auf den Bauch – egal, ob ich privat bin oder nicht
nicole
4.
bendowa | Montag, August 11, 2008 at 20:17
Nein ich glaube nicht, dass die Pat. grundsätzlich eine bessere Behandlung erwarten. Da gibt es solche und solche, wie überall halt. Übel finde ich, wenn das Personal tausend mal wiederholt der ist privat (ätzend):-(
Thomas
5.
équilibriste | Dienstag, August 12, 2008 at 11:39
Ist es bösartig, anzunehmen, das dient – auf Anweisung von, ich nenn’s mal „oben“ – dazu, immer alle daran zu erinnern, so zu (be-) handeln, dass wenn immer möglich der 3,5-fache Satz abgerechnet werden kann…?
Wenn den Patienten dabei auch noch die Illusion vermittelt wird, etwas „Besonderes“ zu sein, umso besser…